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schreibmayr
Im Onlineshop des münchener Familienunternehmens finden Sie eine Auswahl von über 4000 Artikel religiöser Kunst. Rosenkränze, Heiligenfiguren, Kreuze, Ikonen, Engel und Devotionalien.
Eintrag vom: 18.04.2008.
http://www.schreibmayr.de/de/Religioese-...

Otto Hetz Abstinenzzeiten für Worte
Das Schweigen ist das große Reservoir für unser Da-sein, auch für unsere Sprache. Eine verbrauchte Sprache kann ins Schweigen absinken und sich vielleicht dort wieder regenerieren. Aber auch das Unverbrauchte kann dort gefunden werden und unser Sprechen befruchten. Was im Schweigen ruht, hat Zeit, es drängt nicht gewaltsam nach oben. Nicht alles Sagbare muss ausgesprochen werden. Wenn zwischen den ausdrücklichen Worten noch Platz ist, wenn es da noch Zwischenräume gibt, dann kann manches anklingen, was in die ausdrücklichen Begriffe und Sprachformeln gar nicht hineinpasst.
Vielleicht müssen wir einen Gang in die Wüste machen, in eine karge Landschaft, die uns auch wortkarg macht. In einem Brief des Lord Chandos hat Hugo von Hofmannsthal eine solche existentielle Wüstenwanderung beschrieben. Da ist von einem Menschen die Rede, dem es unmöglich ist, „jene Worte in den Mund zu nehmen, deren sich doch alle Menschen ohne Bedenken geläufig zu bedienen pflegen”. Die abstrakten Worte zerfallen ihm im Munde „wie modrige Pilze”. Alles das, was da so unbekümmert ausgesprochen wird, ist unbeweisbar, lügenhaft, löcherig. „Es zerfiel mir alles in Teile, die Teile wieder in Teile, und nichts mehr ließ sich mit einem Begriff umspannen.” Wenn sich das Verlässliche auflöst, wo kann man da überhaupt neu ansetzen? Hofmannsthal weist auf eine neue Körpererfahrung hin, eine elementare Empfindsamkeit. „Es ist mir, als bestünde mein Kör
per aus lauter Chiffren, die mir alles aufschließen. Oder als könnten wir in ein neues, ahnungsvolles Verhältnis zum ganzen Dasein treten, wenn wir anfangen, mit dem Herzen zu denken." Eine unbekannte Sprache wird gesucht, „eine Sprache, in welcher die stummen Dinge zu mir sprechen”. Aber diese neue Form des Sprechens lässt sich nicht auf dem Marktplatz lernen, der Rückzug in die Wüste, der Weg ins Schweigen ist unabdingbar.
Es ist wie mit der Speise. Solange wir von einer Fülle von Lebensmitteln umgeben sind, uns wahllos alle möglichen Speisen einverleiben, ob wir nun Hunger haben oder nicht, ob es unserem Organismus gut tut oder nicht, solange ist das Essen ein triebhafter Vorgang, ohne Überlegung. Wenn wir uns dagegen dem Hunger aussetzen, eine Zeit des Fastens durchstehen, merken wir erst, wie schön es ist, Speise zu sich zu nehmen. Wir essen dann behutsamer, verkosten die Nuancen nachhaltiger, wir brauchen weniger Speisen und haben mehr davon.
Wir brauchen Fastenzeiten des Sprechens, Abstinenzzeiten für Worte.


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